Deutsch lernen – virtuell und real

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Das Abschlusstreffen des ALFA-Projektes fand in Sastamala statt, wo wir unseren Partner, die Volkshochschule, besuchten. Wir waren diesmal eine relativ große Gruppe, die aus Horst, Uta, Marlit, Barbara, Johanna, Ute und Manfred bestand. Noch einmal zitieren wir aus Johannas Bericht:

Weil ich auch zu den vorgehenden Workshops in Maastricht/Niederlande und Kiel eingeladen worden war, kannte ich schon viele Teilnehmer/Innen und daher war das Wiedersehen ganz ungezwungen. Am 19. Mai  waren wir zunächst in die Räume von Sastamala Opisto eingeladen. Wir wurden dort sehr herzlich vom finnischen Team empfangen. Am Vormittag gab es einen regen Gedankenaustausch über die Beiträge aus Finnland und Deutschland. Uta referierte über ”Häusliche Gewalt gegen Ältere und Prävention”. Petri Rinne von ELARD (European LEADER association for Rural Development) sprach zum Thema: “Junge finnische Familien ziehen aufs Land” und Marita Pitkänen  (Services for older people in Finnish Countryside) berichtete über “Dienste an und für Ältere, die in Finnland auf dem Lande wohnen”

Die Beiträge und die nachfolgenden Diskussionen gaben interessante Einblicke in einige Aspekte im Leben jüngerer und älterer Menschen in den verschiedenen Ländern. Weil wir nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis kennenlernen sollten, waren die nächsten Tagungspunkte dem Besuch von unterschiedlichen Schwerpunkten der Arbeit mit Kindern und älteren Erwachsenen gewidmet.

Nach dem Lunch fuhren wir zunächst zur St. Olafs Kirche in Tyrvää. Im Inneren befinden sich wunderbare Gemälde von Kuuti Lavonen und Osmo Rauhala. Nach der Besichtigung der Kirche gingen wir in eine ganz farbenfrohe kleine Ausstellung: „Kinder malen und basteln“. Weiter ging es nach Työteekki. Hier werden Arbeitslose aus Sastamala zu verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten angeleitet. In dem angeschlossenen kleinen Ausstellungsraum konnte man Beispiele dieser Arbeit ansehen und kaufen.

Nachmittags trafen wir uns mit Pia Pihlanto und einigen ihrer älteren finnischen Studenten, die wir schon virtuell von unserer Deutsch-Lerngruppe auf Skype kannten. Jetzt wurde also die virtuelle Welt durch die Realität eingeholt, wir saßen gemütlich zusammen und konnten uns angeregt auf Deutsch unterhalten. Pia hatte dafür einen interessanten Fragebogen entworfen – wobei wir gleich unsere minimalen Kenntnisse über Finnland offenbaren konnten. Danach folgte ein kurzer Stadtrundgang mit genügend Gelegenheit zum Einkaufen.

Am nächsten Morgen fuhren wir als Erstes zur Sammaljoki Village School  (41 Kinder, aufgeteilt in 3 Klassen – Alter 7 bis 12 Jahre). Wir führten ein längeres Gespräch mit dem Direktor dieser Zwergschule und hörten von den Schwierigkeiten, eine solche Schule am Leben zu erhalten. Während dieses Gesprächs blieben zu unserem Erstaunen die Kinder brav stehen und es gab keinerlei Unruhe! In der Pause konnten einige Teilnehmer auf dem Schulhof ihr Geschick im finnischen Cricket unter Beweis stellen. Weiter ging es zum Sampola Village House. Es gab ein lebhaftes Gespräch mit der Leiterin. Es wurde dabei gleich etwas „genetzwerkt“ für die Zukunft. Da gab es dann z.B. den Austausch von finnischen Rezepten für die Rezepte-Homepage von Marlit. Auf dem Dachboden des Hauses stehen mehrere Webstühle und hier treffen sich nachmittags Frauen des Ortes zum Weben und Gedankenaustausch. Wir konnten die verschiedenen Arbeiten im Entstehen besichtigen. Eine Frau verwebt alte CD-Magnet-Bänder zu einem wunderbaren Muster! Das nenne ich Re-Cycling (zurück in den Kreislauf) im wahren Sinn des Wortes!

St Olaf church

St. Olaf Church in Tyrväa ( Foto Marlit Pfefferle)

“Koiramäen Joulukirkko” – Der Weihnachtsgottesdienst von Koiramäki

von Karl und Barbara

Die mittelalterliche Kirche des Heiligen Olaf in Tyrvää in der Nähe von Sastamala wurde am Anfang des 16. Jahrhundert erbaut, kam später außer Betrieb und wurde dann Ende des 20. Jahrhunderts als Hochzeitskirche sozusagen wiederentdeckt. Das wachsende Interesse an dem Kulturerbe führte dazu, dass die Kirche restauriert wurde, inklusive einer umfangreichen Wiederherstellung des Schindeldaches aus dem 18. Jahrhundert. Dafür schnitzten Freiwillige 17 000 Schindeln per Hand! Die Restaurierung war 1997 fertig, aber noch im selben Jahr wurde die gerade frisch restaurierte Kirche fast vollständig durch ein Feuer zerstört, das ein Brandstifter gelegt hatte. Kurz danach beschloss man, sie wieder aufzubauen. Bis 2003 nahmen über tausend Freiwillige an der Arbeit teil, darunter eine kleine Gruppe, die jeden Tag erschien.

st olaf church ornament

Ornament in der St. Olaf Church (Foto Marlit Pfefferle)

Aber es wurde nicht nur gebaut, sondern auch Geld gesammelt. Der in Finnland bekannte Kinderbuchautor Mauri Kunnas schrieb und illustrierte ein eigenes kleines Buch dafür und spendete dessen Ertrag für den Wiederaufbau. Kunnas erzählt die Geschichte von Kille und Elsas Reise zum Weihnachtsgottesdienst vor langer Zeit. Es ist eine einfache Geschichte: Die beiden Kinder aus Koiramäki werden zum Frühstück geweckt, um danach zum Weihnachtsgottesdienst aufzubrechen. Es ist noch dunkel und sie sitzen, in warme Decken eingewickelt, auf dem Schlitten. Auch andere Kinder kommen. In der Kirche herrscht eine feierliche Stimmung. So wie es Brauch ist, sitzen die Männer auf der einen Seite des Mittelgangs und die Frauen auf der anderen Seite. Dann kommt der Priester und beginnt mit dem Gottesdienst. Er dauert sehr lange. Der Bauer Antti aus Metsäkulma nickt ein. Es ist kein Wunder, da sein Haus so weit entfernt ist, dass er bereits am Vorabend aufbrechen musste. Zum Schluss liest der Priester das Weihnachtsevangelium und danach wird ein Kirchenlied gesungen. Als der Gottesdienst zu Ende ist, ist es schon hell geworden. Die Leute fahren heim und bringen Weihnachten in ihre Hütten.

Auf der Umschlagseite ist die Kirche abgebildet, wie sie einst war. In den Zeichnungen, die Mauri Kunnas hinzugefügt hat, sind alle Leute als Hunde dargestellt. Das finnische Wort Koira bedeutet Hund und der Autor hat sich dadurch inspirieren lassen. Nebenbei sei bemerkt, dass Koiramäki (wörtlich übersetzt Hundehügel) auch Teil eines Vergnügungsparks in Tampere ist mit eben diesen Figuren. Sie sind in Finnland bekannt wie die sprichwörtlichen “bunten Hunde”. Das Merchandising läuft auf Hochtouren, T-Shirts, Kaffeetassen, Bleistifte, usw. und natürlich viele Büchlein mit Erlebnissen der Hauptfiguren kann man dort kaufen.

Und noch etwas fällt auf: der Bauer Antti nickt ein. Und hier kann man einen wunderbaren Bezug zur Realität herstellen. Als wir später die Kirche auf „Karis Spielplatz“ besichtigten, wurden wir auf Verfärbungen an den Kircheninnenwänden hingewiesen. Sie kommen daher, dass die Kirchenbesucher eingenickt sind und ihre Köpfe an die Kirchenwand gelegt haben. (Anmerkung von Uta. Pia erzählte uns auch, dass die eingenickten Personen mit einem Stock geweckt wurden).

Aber der geneigte Leser fragt sich sicher, wieso wir eigentlich so viel über diese Kirche wissen. Also – da gibt es die Skypegruppe der finnischen Deutschlehrerin Pia von der Volkshochschule in Sastamala, an der wir deutschen Senioren teilnehmen. Und da gibt es Menschen in Finnland, die Deutsch lernen und sich vorgenommen hatten, das Buch von Mauri Kunnas zu übersetzen. Und da lag es nahe die Deutschen zu fragen, ob sie die Übersetzung verstehen können.

Finnische Sauna

von Johanna

Nach einem leckeren Buffet im Centrum von Vammala (mit Live-Musik und Gesang eines Musikdozenten vom College, sehr apart) fuhren wir zu einem Saunagebäude, direkt an einem See gelegen.

So ein Saunabesuch läuft aber ganz anders ab als bei uns, jedenfalls, wenn es sich nicht um ein Treffen von Familienmitgliedern handelt, sondern um ein “social event”. Männlein und Weiblein gehen getrennt in die Sauna und sind mit Badeanzug bzw. Badehose bekleidet. Danach springt man dann in den See. Das heißt man steigt eine Badeleiter vom Steg hinab und muss aufpassen, dass man die rechte Seite benutzt, denn die linke muss frei bleiben, damit die Badenden schnell wieder aus dem kalten Wasser kommen können!

Nach dem Saunagang trafen wir uns alle im Aufenthaltsraum wieder. Dort wurde ein Ofen gemütlich eingeschürt und Würstchen am Spieß gegrillt. Als dann Matti, der Leiter der VHS, zusammen mit dem Musikdozenten – und als besondere Überraschung, unserem niederländischen Teilnehmer –  anfing „aufzuspielen“, da wurde der vielstimmige Chor der Teilnehmer aus 5 Nationen natürlich herausgefordert!

Die Kunst des Filzens

von Johanna

Zum Abschluss dieses zweitägigen internationalen Treffens – damit wir selber auch etwas „tun“ und eine handwerkliche Erinnerung mit nach Hause nehmen – wurde uns ein Kunst-und Handwerks-Workshop, wieder im Gebäude der Volkshochschule von Sastamala, angeboten. Kunst und Handwerk stehen dort hoch in Kurs.

Wir wurden in die Kunst des Filzens eingewiesen. Es war lustig zu sehen, wie die Teilnehmer, je nach Veranlagung, mit dieser Herausforderung umgingen. Bei manchen wurden regelrecht künstlerische Ambitionen geweckt und am Ende dieses Workshops waren wir alle sehr zufrieden mit unseren „Werken“. Es blieb auch genügend Zeit für Gespräche. Das war sehr wichtig, denn wir wussten, dass mit diesem Workshop unser Treffen zu Ende ging.

Den Workshop kann man auch in einem Video von Horst betrachten.

 

Ein Werk der filzkunst

Ein Werk der Filzkunst ( Foto Marlit Pfefferle)

„Karjalan Piirakka“ – Karelischer Kuchen

Dieses traditionelle Rezept erhielt Marlit von Frau Päivi Kuutti-Uusitaio aus Sammaljiok 

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Karelian Pasty (Foto Marlit Pfefferle)

Als wir in Sammaljioki ein Zentrum für ältere Menschen besuchten, begeisterte mich auf dem liebevoll gestalteten Buffet mit finnischen Spezialitäten dieser traditionelle Kuchen. Päivi schickte mir das Rezept. Das Foto habe ich in Finnland gemacht, selbst gebacken kann ich noch nichts vorweisen, aber demnächst …

Und hier das Rezept :

Zutaten für 4 Personen

  • 500 gr Mehl, (halb Roggen-halb Weizen)
  • 1/2 TL Salz,
  • 150-200 ml Wasser,
  • 1-2TL neutral schmeckendes Öl.

Füllung:

  • 150 gr  Reis (hier werde ich einen Arborio nehmen)
  • 300 ml Wasser,
  • 650 ml Milch,
  • 1-2 Eier

Zum Bestreichen:

  • Milch und Butter

Zuerst soll die Füllung zubereitet werden: Reis in kochendes Wasser geben, wenn  das Wasser aufgesaugt ist, Milch hinzufügen. Diese Mischung einige Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, gut umrühren. (Ich werde diesen Reisbrei einen Tag vorher kochen, dann ist er gut ausgekühlt).

Teig: Mehl und Salz mischen, Öl  und Wasser zugeben, gut durchkneten und den Teig in Klarsichtfolie ruhen lassen. Teig zu 15 – 20 gleichmäßigen Kugeln formen, rund ausrollen zu einem Durchmesser von 10 – 15 cm. Um den Teig vor dem Austrocknen zu schützen mit Klarsichtfolie abdecken.

Fertigstellen: In den abgekühlten Reisbrei die Eidotter einrühren, etwas salzen. Auf die runden Teigplatten in die Mitte etwas Reisbrei geben, und die Ränder zusammenklappen. Auf Backpapier legen und bei 220 °C ,5 – 8 Minuten backen.

Zwischenzeitlich: 150 ml Milch und 1 Stück Butter in einem Topf erhitzen. Die noch heißen, gebackenen Küchlein in diese Milch-Butter Mischung eintauchen, auf eine Platte legen, zum Abkühlen auf eine Platte legen und mit einem Tuch abdecken.

Zum Anrichten: Hartgekochte Eier mit Butter vermischen und separat anrichten. Diese Mischung als „Belag“ auf die Küchlein streichen. Hierzu werden, je nach Geschmack ,Shrimps, Gravelachs  oder auch nur die Eibutter gegessen.

„Porkkanalaatikko“ – Karottenauflauf

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Porkkanalaatikko (Foto Marlit Pfefferle)

Dieser Auflauf ist eine finnische Spezialität, die traditionell an Weihnachten zubereitet wird. Auch ich koche gerne diesen wunderbar leicht schmeckenden Auflauf, allerdings essen wir ihn so gerne, dass ich ihn öfters zubereite. Da der Name „Porkkanalaatikko“ für uns so schwierig zum Aussprechen ist, nennen wir ihn: den finnischen Auflauf mit dem unaussprechlichen Namen. In Finnland wird dazu ein Rentiergulasch gegessen.

Und hier das Rezept für 4 Personen:

  • Ca. 1 Pfund Karotten
  • Ca. 200 gr Reis (Basmatireis)
  • 1 Becher saure Sahne oder Schmand
  • 2 Eier
  • Semmelbrösel
  • Salz, Pfeffer, Muskat, Butter
  • Wasser, Milch

Zubereitung:

Karotten klein schneiden in halb Milch, halb Wasser weich kochen.

Reis in Wasser separat garen. Weich gekochte Karotten pürieren, dann mit dem Reis vermischen, saure Sahne oder Schmand mit den Eiern verrühren und leicht unter die Karotten-Reis-Mischung heben. Mit den Gewürzen gut abschmecken. Alles in eine Auflaufform füllen, mit Semmelbrösel bestreuen, und Butterflöckchen auflegen.

Im vorgewärmten Backofen auf ca. 180° ca. 1 Std. stocken lassen.

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